Gesundheit

In der Veterinärmedizin verdoppelt sich das Wissen circa alle zehn Jahre. Neben der zunehmenden Spezialisierung auf einzelne Tierarten werden auch die einzelnen Fachgebiete immer mehr vertieft. Der Tierarzt ist der Ansprechpartner für alle Fragen und Probleme zur Gesundheit des Hundes – die tägliche Versorgung und Pflege liegt aber beim Hundebesitzer.

Rassetypische Krankheiten
Bei Collies oder Border Collies sind unter anderem folgende in der Regel vererbbare Krankheiten bekannt, wobei der Grad des Befalls innerhalb des Bestandes von Land zu Land beziehungsweise von Zuchtverband zu Zuchtverband unterschiedlich ist:

  • Collie Eye Anomalie (CEA)
  • Progressive Retina Atrophy (PRA)
  • Hüftgelenksdysplasie (HD)
  • MDR-1-Gendefekt
  • Epilepsie

Einschränkend ist noch zu sagen, dass manche Ursachen und auch Fragen der Vererbbarkeit noch nicht völlig erforscht sind und auch die notwendigen Gegenmaßnahmen noch diskutiert oder unterschiedlich gehandhabt werden.

 

Collie Eye Anomalie (CEA)

Bei der CEA handelt es sich um eine autosomal rezessiv vererbbare Augenerkrankung von der vor allem Collies, Border Collies, Shelties und Australian Shepherds betroffen sind.

Es entstehen dabei Veranderungen an der Netzhaut des Auges, die in unterschiedlich starker Ausprägung auftreten können; angefangen von minimalen Netzhautveränderungen, die beim Hund völlig unbemerkt verlaufen, bis hin zu Blutungen und Netzhautablösungen, die zur Erblindung führen.

Eine Besonderheit der Erkrankung ist, dass der Schweregrad der CEA sich mit dem Alter des Hundes nicht verschlechtert, d.h. dass ein Hund an der CEA nicht erst im Alter erblindet mit Ausnahme an anderen zusätzlichen Augenerkrankungen wie der PRA oder dem Katarakt.

Die mildeste Form der CEA, die sogenannte CRH (chorioretinale Hypoplasie), ist beim Welpen nur bis zu einem Alter von ca. 9 Wochen erkennbar, denn danach wird sie durch die Pigmenteinlagerung im Auge überdeckt. Hunde deren CEA-Erkrankung im Erwachsenenalter durch eine Augenuntersuchung nicht mehr feststellbar ist, bezeichnet man als „go-normals„.

Erscheinungsformen der CEA (Schweregrade)

1. CRH = chorioretinale Hypoplasie:

In einem bestimmten Bereich des Auges fehlen ein Teil der Netzhaut und der darunterliegenden Aderhaut.Diese Bereiche sind beim Welpen bis zur 9. Lebenswoche besonders gut zu erkennen, da bis zu diesem Zeitpunkt die Netzhaut noch nicht pigmentiert (=gefärbt) ist. Nach dieser Zeit verdeckt das Pigment diese Stellen, und die CRH ist nicht mehr so gut feststellbar = „go-normals“. Das Sehvermögen wird bei der CRH nicht beeinflußt, da nur kleine Netzhautbezirke von diesen Veränderungen betroffen sind.

2. Kolobom:

Als Kolobom bezeichnet man eine mehr oder weniger großflächige Ausbuchtung der Netzhaut im Bereich des Sehnervenkopfes. Nur wenn in seltenen Fällen die Ausbuchtungen grosse Teile der Netzhaut einnehmen, kann die Sehkraft beeinträchtigt werden.

3. Blutungen und Netzhautablösung:

Durch Blutgefässveränderungen der Aderhaut kann es zu Blutungen der Netzhaut kommen, welche eine Netzhautablösung zur Folge haben können. Die Folge ist eine Erblindung, Probleme mit dem Augeninnendruck und Entzündungen der Gefäßhaut. Dies ist die schlimmste und seltenste Form der CEA.

 

 

Hüftgelenkdysplasie

Das Wort Dysplasie steht für „Fehlbildung“. Häufigste Form der Gelenkerkrankung beim Hund, hierbei sind Kugel und Pfanne des Hüftgelenkes nicht korrekt ausgebildet. Man spricht von einer krankhaften Veränderung der Hüfte.

Symptome

Die klinischen Symptome variieren mit dem Alter und dem Grad der HD:

  • jünger als 3 Monate: Eventuell ohne Symptome, aber der betroffene Welpe wirkt extrem tollpatschig aufgrund der Instabilität der Hüfte.
  • 3 bis 18 Monate: Bei einigen Fällen können Symptome ausbleiben, aber bei vielen jungen Hunden verursachen Hüftschmerzen Lahmheit und eine Laufunwilligkeit
  • Mittleres bis hohes Alter: Eventuell tritt eine Arthritis in der Hüfte auf und der Hund benötigt eine medizinische Behandlung oder einen operativen Eingriff.

Als allgemeine Symptome sind festzuhalten: Die Tiere zeigen in der Regel eine verminderte Aktivität, spontane Lahmheit mit Schwierigkeiten beim Aufstehen und einen verkleinerten Bewegungswinkel des Hüftgelenks. Eine passive Bewegung des Hüftgelenkes ist schmerzhaft.

Junge Hunde mit ausgeprägter HD zeigen vor allem Schmerzen als Folge der starken Lockerheit der Hüftgelenke während bei älteren Hunden die Schmerzen als Folge der Abnutzung (Arthrose) der Hüftgelenke überwiegen. Bei leichteren Formen der HD können Krankheitshinweise fehlen, solange der Hund nicht stark beansprucht wird. Auch zwischen den einzelnen Hunden bestehen Unterschiede in der Schmerzempfindung: Während der eine Hund mit leichter HD bereits hinkt, hat der andere Hund mit fortgeschrittener Arthrose eine spezielle Bewegungstechnik entwickelt, um Schmerzen zu vermeiden: Der Besitzer merkt von der Behinderung unter Umständen gar nichts.

Anatomische Beschreibung

Das gesunde Hüftgelenk des Hundes ist im Allgemeinen ein Nussgelenk (Enarthrosis), in dem der Oberschenkelkopf (Caput ossis femoris) mit der Beckenpfanne (Acetabulum) artikulieren, d.h., zusammen ein Gelenk bilden. Folgende Bänder halten das Gelenk zusammen: Das runde Band (Ligamentum capitis ossis femoris) hält den Oberschenkelkopf in der Pfanne. Es beginnt („entspringt“) in der Gelenkpfanne und zieht zum Caput ossis femoris. Außerdem gibt es noch das Beckenpfannenquerband (Ligamentum transversum acetabuli) und das Labrum acetabuli, das die Gelenkpfanne verbreitert und stärkt und zusätzlich Stütze und Halt gibt. Das Gelenk ist stark von Muskulatur umgeben, die dem Gelenk auch u.a. zusätzlich Halt gibt.

Bei einer gesunden Hüfte ist der Oberschenkelkopf (Femurkopf) groß, rund und glatt. Der Oberschenkelhals (Femurhals) ist deutlich ausgeprägt und hat glatte Ränder, die Ränder der Gelenkpfanne (Acetabulum) sind ebenfalls glatt. Der Oberschenkelkopf passt formgenau in die Gelenkpfanne, diese umschließt dabei mehr als 50 % des Oberschenkelkopfes.

Bei einem an HD erkrankten Hund ist die Gelenkpfanne (Acetabulum) oftmals zu flach und der Gelenkkopf (Femurkopf) ist zu klein und missgebildet. Diese beiden gelenksbildenden Knochen, passen somit nicht korrekt aufeinander. Die Fehlbildung tritt in der Regel beidseitig auf und kann unterschiedlich stark ausgebildet sein. Es kann zur Gelenkinstabilität führen, die eine schmerzhafte Lahmheit für das ganze Leben verursacht.

Bei einem an HD im fortgeschrittenen Stadium erkrankten Hund sind der Oberschenkelkopf und -hals missgebildet, die Ränder sind aufgrund der Knochenverformung aufgeraut. Die Ränder der Gelenkspfanne sind rau, da rund um das Gelenk neuer Knochen gebildet wird (Osteophyten). Der Gelenkspalt ist extrem unregelmäßig, weil von Gelenkkopf und -pfanne Knorpelgewebe abgebaut wurde.

Die Ausbildung der Hüftpfanne findet normalerweise innerhalb der ersten fünfzehn Lebensmonate statt, indem der Oberschenkelkopf sich in diese drückt. Ist die Winkelung nicht korrekt, kommt es zu Störungen dieses Prozesses. Die Folge ist HD – also ein abnorm geformtes Hüftgelenk. Häufig folgt früher oder später Folge Arthrose im betreffenden Gelenk.

Man unterscheidet verschiedene Formen:

  • Übergangsform
  • mittlere HD
  • schwere HD

Ein Hund ohne HD erhält nach tierärztlicher Untersuchung ein HD-A gleichbedeutend mit HD-frei. Die weiteren Stufen sind

  • HD-B (HD Verdacht)
  • HD-C (leichte HD)
  • HD-E (schwere HD).

Zur Zucht zugelassen werden nur Hunde mit HD-A,B oder C. Es dürfen nur B- und C-Hunde mit A-Hunden verpaart werden.

Ursachen

Die Entwicklung der Hüftgelenke wird maßgeblich durch zwei Komponenten beeinflusst:

  • durch die Erbanlage und
  • durch die Ernährung des Hundes.

Die wichtigste Ursache jedoch bei der HD des Hundes liegt in den Erbanlagen, welche Gene eine Rolle spielen, ist bis heute nicht geklärt. Erwiesen ist hingegen, dass sich HD häufig in Form einer übermässigen Lockerheit oder Instabilität des Hüftgelenkes zeigt, was die Bildung von Arthrose begünstigt. Das Hüftgelenk nimmt Schaden, wenn der Oberschenkelkopf dauernd in der Gelenkspfanne umherrutscht. Er wird, technisch ausgedrückt, wie ein lockeres Radlager ausgeschlagen. Beim jungen Hund zeigen sich deshalb die stärksten Veränderungen an der Gelenkspfanne: sie weitet sich auf und flacht sich ab. Damit wird der Oberschenkelkopf nicht mehr korrekt geführt und es entwickelt sich eine Arthrose.

Bei einem Hund mit Veranlagung zu HD ist es möglich, durch eine kalorienmäßig zurückhaltende und ausgewogene Fütterung das Ausmaß der Krankheit zu mildern. Es ist erwiesen, dass Hunde, die langsam wachsen, weniger schwer an HD erkranken als ihre schneller wachsenden und damit schwereren Wurfgeschwister. Besonders wichtig ist es dabei, im Futter ein Überangebot von Kalzium (Futterkalk) zu vermeiden. Deshalb sollte bei Verwendung eines Vollwertfutters darauf geachtet werden, dass das Verhältnis von Kalzium zu Phosphor etwa 1 : 1 ist (früher 1,5 : 1). Damit hat der Hund trotz ungünstiger Erbanlagen eine größere Chance, akzeptable Hüftgelenke zu entwickeln und ein weitgehend normales und schmerzfreies Leben zu führen. Weiter ist es in solch einem Falle vernünftig, eine massive Überbeanspruchung des noch unreifen Skeletts des Junghundes zu vermeiden, da ein Knochen im Wachstum weniger belastbar ist, als das Skelett eines ausgewachsenen Tieres.

Auftreten / Statistik

Die Häufigkeit des Auftretens von HD bei großen Hunderassen stellt sich wie folgt dar:

  • 0 – 20%: Siberian Husky, Collie (Bearded/Rough), Belg. Schäferhund
  • 21 – 40%: Dalmatiner, Hovawart, Border Collie, Eurasier, Airedale Terrier, Leonberger, Bouvier, Dogge
  • 41 – 60%: Riesen Schnauzer, Großpudel, Bobtail, Labrador, Berner Sennenhund, Briard, Irish Setter, Golden Retriever, Neufundländer, Deutscher Schäferhund, Boxer
  • Über 60%: Bernhardiner, Engl. Setter, Gordon Setter

Züchterische Massnahmen gegen HD

Schon seit den 60er Jahren wurde auf breiter Grundlage innerhalb der Rassezuchtvereine eine wirksame züchterische HD-Bekämpfung diskutiert. Als Folge haben einige Rassezuchtvereine bestimmt, dass mehr oder weniger streng von HD befallene Hunde von der Zucht ausgeschlossen werden. Diese Maßnahmen erfolgten in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern und Tierärzten.

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